Besuch in Belgien zwischen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft Jan De Corte erläuterte den Schülern den australischen Soldatenfriedhof in Zonnebeke.

Die deutsche Gruppe

Die deutsche Gruppe vor der Stadt Ypern, die im Ersten Weltkrieg fast völlig zerstört worden war.

Reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu erzeugen, ist zentrale Aufgabe des Geschichtsunterrichts: Was abstrakt klingt, haben die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses der Q1 beim Gegenbesuch im Rahmen des Austauschs mit dem belgischen Torhout von Mittwoch bis Freitag (20.-22.04.2016) hautnah erlebt.

Brügge: Venedig des Nordens

Bei strahlendem Sonnenschein kam die Reisegruppe aus Dortmund, die von den Geschichtslehrern Tobias Ebert, Monika Seiler, Johannes Vorspohl und Schulleiter Christoph Weishaupt begleitet wurde, am Mittwochmittag in Brügge an. Nachdem die Dortmunder Schülerinnen und Schüler von ihren belgischen Austauschpartnern durch das „Venedig des Nordens“ geführt worden waren, stand das Abendprogramm zur freien Gestaltung. Viele nutzten dies zu einer Fahrt ins nah gelegene Nordseebad Ostende.

Donnerstag im Zeichen des Ersten Weltkriegs

Jan De Corte erläuterte den Schülern den australischen Soldatenfriedhof in Zonnebeke.

Jan De Corte erläuterte den australischen Soldatenfriedhof in Zonnebeke.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Ersten Weltkriegs. Die Fahrt führte zunächst zum Soldatenfriedhof Langemark, auf dem rund 44.000 deutsche Soldaten begraben sind, die während der Flandernschlacht ihr Leben ließen. Insbesondere die spätere Verklärung der verlustreichen Schlacht in der Weimarer Republik und durch die Nationalsozialisten („Mythos von Langemarck“) wurde in den Blickpunkt gerückt. Tief beeindruckt zeigten sich die Schülerinnen und Schüler auch von der anschließenden Besichtigung des Museums „In Flanders Fields“ in Ypern, das die Schrecken des Ersten Weltkriegs eindringlich vor Augen führte. Am Nachmittag verdeutlichte dann ein Besuch des australischen Soldatenfriedhofs in Zonnebeke den völlig anderen Umgang der Siegermächte mit den Opfern des Ersten Weltkriegs, der in Belgien als „Großer Krieg“ bezeichnet wird.

Eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart und in die Zukunft wurde beim Projekt „CWRM“ (Coming World Remember Me) geschlagen. Gemeinsam mit ihren belgischen Freunden modellierten die jungen Dortmunder jeweils ein Kunstwerk aus Ton. Das Besondere: Durch die persönliche Verknüpfung jedes Kunstwerks mit einem der Namen der 600.000 Gefallen in Belgien während des Ersten Weltkriegs soll eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart hergestellt werden: der Name eines Lebenden verbunden mit dem Namen eines Toten.

Das Abschlussfoto im Rathaus von Torhout.

Das Abschlussfoto im Rathaus von Torhout.

Im Jahr 2018 werden dann die 600.000 Kunstwerke als Mahnung und Appell an zukünftige Generationen ausgestellt.

Die Einnahmen aus dem Projekt kommen Waisenkindern in Simbabwe zugute. Der Donnerstag endete mit einem Besuch des „Last Post“ am Menenpoort in Ypern. Diese Tradition erinnert täglich um 20 Uhr an die Gefallenen des Commonwealth im Ersten Weltkrieg.

Herzlichkeit und Gastfreundschaft

Auch der Freitag bot den Schülerinnen und Schülern ein abwechslungsreiches Programm. Nach einem gemeinsamen Spiel in der Schule fand im Rathaus von Torhout, wo die Austauschgruppe von Bürgermeister Norbert De Cuyper empfangen wurde, das feierliche Schlussmoment des diesjährigen Austauschs statt. Mit Blick auf die inhaltlichen Ergebnisse der drei Tage appellierte Christoph Weishaupt an die belgischen und deutschen Schüler: „Ihr seid die Völker und die Zukunft Europas. An euch liegt es, eine friedliche gemeinsame Zukunft zu gestalten.“

Neben den neu gewonnenen Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg und den vielfältigen authentischen Einblicken, die sich curricular genau in die momentane Arbeit des Geschichts-LK einfügen, werden besonders der herzliche Empfang, die große Gastfreundschaft und die perfekte Organisation und Betreuung durch die belgischen Freunde in Erinnerung bleiben.

Ein großer Dank gilt auch dem Verein der Freunde und Förderer des Mallinckrodt-Gymnasiums, der den Austausch unterstützt hat.

Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Das Projekt „Coming World Remember Me“.

Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Das Projekt „Coming World Remember Me“.