Ziele des Faches
Ziel des Faches Ernährungslehre/Ernährung ist die Förderung beruflicher Kompetenz im Bereich Ernährung sowie die Förderung der Studierfähigkeit durch wissenschaftspropädeutisches Arbeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entwicklung der Ernährungsmündigkeit (Nutrition literacy) in beruflichen wie privaten Handlungsbezügen. Eine professionelle Reflexion von Ernährungshandeln und Esskultur befreit aus den normativen Zwängen von ‚richtiger und falscher‘ bzw. ‚gesunder und ungesunder‘ Ernährung und fördert die Bereitschaft zur Analyse und Bewertung von Ernährung und Ernährungsverhalten und das Verständnis der Hintergründe und Zusammenhänge. Berufliches wie privates Ernährungshandeln ist eingebettet in ein Netz von allgemeinen Ernährungsbedingungen und aktuellen Lebenssituationen, gegebenen und vermuteten Handlungsoptionen, Bedürfnissen und daraus entwickelten Bedarfsstrukturen, Lebensgeschichten und damit verbundenen subjektiven Sinngebungen etc. Was als sinnvoll und damit als handlungsleitend gesehen wird, muss zunächst der objektiven, professionellen Einschätzung und Beurteilung unterliegen. Daneben wird aber immer auch die eigene Ökonomie bzw. die subjektive Rationalität sowie die Interpretation der Bedingungen und Bedürfnisse das Ernährungshandeln bestimmen.

Positiver Einfluss auf die Gesundheit
Ernährungshandeln hat einen unmittelbaren und mittelbaren Einfluss auf die Gesundheit. Gesundheit beinhaltet ein höchstmögliches Maß an physischem, psychischem und sozialem Wohlbefinden. Dies ist ein Zustand, der sich je nach Lebenssituation und Lebenswelt verändern kann. Die Vermeidung schädigender Einflüsse, z. B. durch Fehl- oder Mangelernährung, sowie der Aufbau einer gesundheitsförderlichen Ernährung auf verschiedenen Handlungsebenen erfordern eine ständige Auseinandersetzung mit neuen Forschungsergebnissen und die Anwendung wissenschaftlicher Methoden. Der Erkenntnisprozess im Fach Ernährungslehre/Ernährung berücksichtigt die Deutung des Kontextes, des Prozesses und der Perspektive der jeweiligen Aufgabenoder Problemstellung. Daher wird der Erkenntnisprozess sowohl durch empirische als auch hermeneutische Methoden gesteuert. Die Schülerinnen und Schüler werden an der Gestaltung des Erkenntnisprozesses beteiligt, indem sie zunehmend selbstständig die o. g. Methoden bei der Bearbeitung anwenden.

Methodik des Faches
Das Analysieren und Interpretieren von Quellen verschiedenster Herkunft eröffnet ein vertieftes Verständnis für das Fach und seine Arbeitsweisen sowie für den beruflichen Kontext. Die Inhalte verschiedener Fachwissenschaften müssen über unterschiedliche methodische Möglichkeiten lösungsorientiert, gedanklich vernetzt, Zusammenhänge ableitend und systematisierend dargestellt werden. Dies setzt differenzierte Fähigkeiten zur Informationsbeschaffung und zur individuellen und gemeinsamen Informationsauswertung voraus. Der Erwerb von Lernstrategien, Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie die Team- und Kommunikationsfähigkeit werden so gefördert. Fachliches Grundwissen ist die Voraussetzung zum Erschließen von Zusammenhängen. Im Rahmen der Bearbeitung der vielfältigen Aufgaben- oder Problemstellungen im Fach Ernährungslehre/Ernährung sind jedoch neben solchen deklarativen und methodischen
Aspekten stets auch normative Aspekte (z. B. Umweltschutz, Tierschutz, Ethik und Welthandel; individuelle Wertvorstellungen und Lebensstile) bei der Entwicklung von Lösungsansätzen zu berücksichtigen. […]

Auszug aus dem Lehrplan