Das Fach Erziehungswissenschaft wird an unserer Schule als Wahlmöglichkeit im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich der Oberstufe angeboten. Zur Zeit wird es von drei Kolleginnen und Kollegen unterrichtet: Frau Polomski-Tölle, Herr Dr. Giese, Herr Lorenz und Frau Weber.

„Päda“ oder „EW“? 

Das Fach heißt bei den Schülerinnen und Schülern in der Regel nur „EW“ bzw. „Päda“. Während „EW“ den wissenschaftspropädeutischen, d.h.vorbereitenden Charakter des Fachs betont, verstehen die meisten unter „Päda“ mehr, als die reine Vermittlung wissenschaftlicher Fakten und Theorien über Erziehung. Viele Schülerinnen und Schüler erwarten von der Pädagogik darüber hinaus gehende Einsichten in die Beziehung von Menschen, besonders in erzieherischen Situationen, z.B. in der Schule oder in der Familie aber eventuell auch Hinweise für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. Natürlich kann und will der Pädagogik-Unterricht dem Einzelnen keine konkrete psychologische oder erzieherische lebenspraktische Hilfe geben. Aus den behandelten Themen können die Schülerinnen und Schüler aber durchaus relevante Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln ziehen.

Die Themen des Fachs

Im ersten Halbjahr der Einführungsphase wird den Fragen nachgegangen, warum Erziehung notwendig ist und wie sie sinnvoll zu gestalten ist (u.a. Ziele, Stile und Methoden der Erziehung). Im zweiten Halbjahr werden die notwendigen Grundlagen und die Prozesse des Lernens und der Entwicklung erarbeitet (u.a. Lerntheorien und Entwicklungsmodelle).

Im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase 1 (Q1) werden Modelle der psychischen und kognitiven Entwicklung sowie der Rollentheorie erarbeitet und  deren Bedeutung für pädagogisches Handeln in der Kindheit untersucht (u.a. am Beispiel elementarpädagogischer Einrichtungen). Im zweiten Halbjahr von Q1 wird der Schwerpunkt auf die Erarbeitung der Entwicklung, Sozialisation und Identitätsfindung Jugendlicher gelegt. Dabei werden auch Probleme und Folgen einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung sowie pädagogische Möglichkeiten der Prävention und der Rehabilitation behandelt.

Im ersten Halbjahr von Q2 wird Erziehung unter einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive betrachtet. Dabei wird die Bedeutung und Wirkung von Normen und Werten, sowie deren Legitimation als Grundlage pädagogischen Handelns kritisch untersucht (u.a. an historischen Beispielen [NS-Erziehung], aber auch aktuell bezüglich der PISA-Studie und ihrer Folgen). Im letzten Halbjahr Q2 wird die Gesamtentwicklung eines Menschen unter dem Aspekt einer gelungenen Identitätsentwicklung im Sinne der Integration der zuvor in den einzelnen Halbjahren erarbeiten Theorien und Modelle behandelt.

Maßstäbe für das eigene Handeln

Obwohl das Hauptthema unseres Fachs die Entwicklung des Menschen vom Kleinkind zur mündigen Person ist, kann die Erarbeitung dieses Themas fast immer nur in der durch Texte, Filme oder Berichte vermittelten Form geschehen. Nur selten können Experimente oder konkretes pädagogisches Handeln diese ergänzen. Dennoch wird, z.B. durch Fallbeispiele der Unterricht relativ konkret gestaltet. Insgesamt hat das Fach an unserer Schule eine lange Tradition und bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, vieles über sich selbst und den Anderen zu erfahren und auf der Grundlage eines christlich geprägten Menschenbildes Maßstäbe für zukünftiges erzieherisches Handeln zu gewinnen.