Wer die Kapelle unserer Schule betritt, sieht an der Schwelle ein in den Boden eingelassenes stilisiertes Labyrinth: verschlungene Linien, sich überkreuzend – und letztlich doch auf einen Mittelpunkt hin ausgerichtet: Das Dreieck als Symbol für den dreieinen Gott.

Auch wenn unsere Erkenntnis immer „Stückwerk“ (Paulus) bleibt, ist es ein Symbol der Zuversicht: Die oft so chaotisch wirkenden Lebenslinien lassen sich ansatzweise entwirren und durchschauen auf eine Mitte hin, die alles zusammenhält.

Von dieser Denkfigur des Labyrinths lassen sich Parallelen ziehen zu dem Religionsunterricht an unserer Schule: Er will ein Ort sein, an dem Schülerinnen und Schüler in den verschlungenen Pfaden des eigenen Lebens den christlichen Glauben als mögliche Antwort auf das, „was uns unbedingt angeht“ (Tillich), kennen und verstehen lernen. In einem  konstruktiven und auch durchaus kritischen Dialog sollen die Schülerinnen und Schüler eine eigene Haltung entwickeln:

  • in der Begegnung mit der christlichen Botschaft als einer möglichen Antwort auf die Sinnfrage, die davon ausgeht, dass in der Mitte des eigenen Lebens Gott zu finden ist, der sich in Jesus Christus selbst mitgeteilt hat
  • in der Begegnung mit der Kirche in Gegenwart und Vergangenheit, indem die Schülerinnen und Schüler mit den Grundvollzügen der Kirche vertraut werden und ein Bewusstsein für die eigene kulturelle Tradition entwickeln, in der die Kirche als pilgerndes Volk Gottes unterwegs ist
  • in der Auseinandersetzung mit anderen Weltreligionen, in der eine Haltung der Anerkennung für das Andere und Fremde ermöglicht und ein eigener Standpunkt vertieft werden soll
  • in der Diskussion über ethische Fragen, durch die die eigene Urteilsfähigkeit entwickelt werden soll.

Die Vermittlung von „lebensbedeutsamem Grundwissen über den Glauben der Kirche“, das „Vertrautmachen mit Formen gelebten Glaubens“ und die „Ausbildung religiöser Dialog- und Urteilsfähigkeit“ stehen also im Zentrum des Religionsunterrichtes (vgl. Die deutschen Bischöfe: „Der RU vor neuen Herausforderungen“, 2005).

Der evangelische und katholische Religionsunterricht wird an unserer Schule von der 5. Klasse verpflichtend bis zum Abitur erteilt und kann auch als Abiturfach und z.T. sogar als Leistungskurs gewählt werden. Das Schulcurriculum orientiert sich dabei an den Vorgaben der neuen Kernlehrpläne, diese lassen jedoch durchaus noch Spielraum für schulinterne Themen und Schwerpunkte:

  • So besucht die Jahrgangsstufe 5 etwa das Mutterhaus der Schwestern der Christlichen Liebe in Paderborn, diese Exkursion wird im RU vorbereitet.
  • In der Klasse 9 absolvieren die Schülerinnen und Schüler für 14 Tage ein Sozialpraktikum, das im RU vor- und nachbereitet wird.
  • Auch schulpastorale Ereignisse wie die Besinnungstage, die Vorbereitung von Gottesdiensten, die Feier des Patronatsfestes oder des Bistumsjubiläums etc. haben Raum in unserem Religionsunterricht (vgl. Angebote der Schulseelsorge).

Der evangelische Religionsunterricht am Mallinckrodt-Gymnasium

Der evangelische Religionsunterricht an einem katholischen Gymnasium setzt sich über das Curriculum hinaus besonders mit den ökumenischen Fragen im Zusammenhang der christlichen Konfessionen auseinander. Die evangelischen Schüler und Schülerinnen lernen ihre evangelische Traditionen in Abgrenzung und Auseinandersetzung zur katholischen Tradition kennen. So kann der Religionsunterricht dazu helfen, eine eigene Überzeugung in wichtigen Lebensfragen aus evangelischer Sicht zu finden.